Wechselhaft

Alles, was wir Frauen über den Wechsel wissen ist Wissen aus 2. Hand

WechselhaftDie Erfahrung des Wechsels müssen wir selbst erleben – jede von uns kommt einmal in diese Phase, einige früh, einige später. Aber nicht alle Frauen haben im Wechsel Beschwerden: Ein Drittel der Frauen leidet unter stärkeren Beschwerden, ein Drittel spürt nur leichte Anzeichen des Wechsels und ein Drittel der Frauen bleibt völlig beschwerdefrei.

Das Schwierige an diesem Erleben ist, dass wir die Sprache unseres Körpers nicht mehr verstehen. Zu oft haben wir uns Frauen vorschreiben lassen, was wir zu spüren, zu fühlen haben, wie wir zu leben und uns zu verhalten haben. Nach all diesen Vorschriften gibt es möglicherweise kein eigenes Wissen, kein eigenes Spüren mehr.

Und jetzt ist der Wechsel da – und wieder hören wir auf die Anderen
Was so alles im Wechsel geschieht. An Hitzewallungen, an Schlafstörungen, an Schweißausbrüchen, an trockener Haut innen und außen, an  Beziehungsproblemen, an körperlichen Gebrechen (Osteoporose und dergleichen). Ja, sicher es stimmt, Frauen wechseln irgendwann von der fruchtbaren in die unfruchtbare Phase, aber was heißt das eigentlich – bedeutet die Fähigkeit, keine Kinder mehr zu bekommen gleichzeitig Nutz­losigkeit, Dürre, Trockenheit, Unsichtbarkeit? Oder endet für uns Frauen nur eine bestimmte körperliche Qualität (die Menstruation), um anderen Fähigkeiten Platz zu machen. Symptome wie Herzrasen, Schwitzen, Schlaf­losigkeit u.a. produziert der Körper auch in Angst- und Panikattacken sowie unter Stress – das ist eine Qualität des vegetativen Nervensystems und soll uns mobilisieren, in einen wachsamen Zustand versetzen.

Wie oft haben wir Frauen schon geschwitzt?
Beim Sex, beim Beruhigen der Kinder, beim Schleppen von Lebensmitteltaschen, beim Aufhängen der dritten Waschmaschinenladung und beim Organisieren der Termine von Eheleben, Arbeit, Freizeit und Entspannung. Wie oft drehten wir uns unruhig im Bett herum und konnten nicht schlafen, weil das Geld nicht reichte, die Schularbeit des Kindes verhaut war, die Alimente nicht angekommen waren, das Kind einen neuen Mantel brauchte, ein Urlaub wieder einmal schön wäre …?

Wie oft schmerzte unser Körper aus Erschöpf­ung nach einem langen Tag, in einer Krankheit und wir hatten absolut kein Interesse an Zärtlichkeit, Kuscheln, Schmusen, Sex und alles war trocken und spröde, innen und außen…?
Jetzt hört der Körper auf fruchtbar zu sein und alles was mit der Fruchtbarkeit zusammen hängt (Jugend, Attraktivität, sexuelle Anziehung, Nestbau…) und die damit verbundenen Ängste der Vergangenheit, werden ausgeschwemmt – im Schwitzen, Herzrasen, Schlaflosigkeit manchmal bis zur Depression um Platz zu machen – für Neues. Ich selbst erlebte den Wechsel für mich in so einer „häutenden“ Art und entdeckte, dass auch Frauen in anderen Ländern ähnliches erfahren. Am Beispiel des Wechsels fragte ich mich, wie leben andere Frauen mit dem Wechsel und da fand ich eine feine Geschichte, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Auf Okinawa leben, durch Gemeinderegister belegt, sehr viele 100jährige Menschen.
Oft haben gerade die Uralten unter Okinawas Alten eine spezielle Passion, der sie sich mit ganzem Herzen verschrieben haben: Der eine lehrt die alten Tänze, ein anderer zieht Chrysanthemen, wieder ein anderer züchtet Stiere. Diese Leidenschaft ist ihr Antrieb, noch möglichst lange weiterzuleben. Frauen spielen im spirituellen Leben Okinawas generell die Hauptrolle. Die Inseln gehören zu den wenigen Orten auf der Welt, an denen die Ausübung religiöser Zeremonien auch heute noch allein ihnen vorbehalten bleibt. Sie sind das Bindeglied zwischen der irdischen und der spirituellen Welt. Nur sie können mit den Vorfahren kommunizieren.

Viele Frauen wenden sich erst in mittleren Jahren vermehrt der Spiritualität zu, sobald ihre Kinder erwachsen sind und die Pflichten im Haushalt weniger werden. Hier finden sie eine neue Aufgabe, die ihnen so viel Anerkennung zuteil werden lässt, dass sie sich auf diesen Lebensabschnitt freuen. Dass Wechsel­jahrsbeschwerden auf Okinawa praktisch nicht vorkommen, liegt nicht nur an der guten Ernährung mit reichlich Soja – die positive Einstellung zum Älterwerden ist mindestens ebenso wichtig.

Während die meisten von uns das Altern als eine abschüssige Strecke erleben, die uns Tag für Tag dem Verfall ein Stückchen näher bringt und ab einem bestimmten Geburtstag am lieb­sten die Uhren anhalten würden, sieht man auf Okinawa den reifen Jahren mit Freude entgegen. Das Gefühl, eine tragende Rolle in der Gesellschaft zu spielen, mit jedem wei­teren Le­bensjahr noch höheres Ansehen zu genießen und in einem kosmischen Zusammenhang zu wirken, der über die materielle Ebene hinausreicht, erfüllt besonders die Frauen mit großer Befriedigung und gibt ihnen noch einen wichtigen Daseinsgrund mehr.

In den alten Dialekten, die sie im Kreis der Familie auch heute noch sprechen, gibt es noch nicht einmal ein Wort, mit dem sich so etwas wie „Ruhestand“ umschreiben ließe. Niemand hört hier zu arbeiten auf, nur weil er siebzig, achtzig, neunzig Jahre alt ist. Schließlich wartet draußen der Garten. Das Gemüse will gehegt und gepflegt sein. Wer sollte Seetang ernten und Meeresfrüchte sammeln? Und der Fisch springt auch nicht allein auf den Teller! Nein! Nichts zu tun, das wäre furchtbar. Und außerdem: Arbeit macht doch so viel Spaß! Warum sollte man sich den nehmen?

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