Schnurrende Heiler

Die therapeutische Wirkung von Katzen

Schnurrende Heiler Menschen und Tiere leben schon immer in Gemeinschaft. Tiere sind für uns lange Zeit nicht mehr nur Nutztiere, sondern wir betrachten sie mehr und mehr als Freunde und Begleiter. Der Umgang mit ihnen ist für uns heute eine Selbstverständlichkeit.

„Gott schuf die Katze, damit der Mensch einen Tiger zum Streicheln hat.“ (Victor Hugo)

Katzen polarisieren
Schriftsteller aus allen Epochen haben Katzen Texte und Gedichte gewidmet. Nicht wenige, darunter Ernest Hemingway, Hermann Hesse und Charles Dickens, waren selbst stolze Katzenbesitzer. Doch damit noch nicht genug: Katzen begeisterten über die vergangenen Jahrhunderte französische Könige genauso wie Päpste, Künstler, Schauspieler, Wissenschafter, Wirtschaftsbosse und Politiker. Ihr geheimnisvolles Wesen faszinierte von je her – ob im Guten oder im Schlechten. So sollen die mutigen Feldherren Alexander der Große, Caesar und Napoleon Bonaparte unter einer veritablen Katzenphobie gelitten haben. Ob Liebe oder Hass, eines steht damit fest: Katzen lassen uns Menschen nicht kalt.

Katze – Mensch
Eine wechselvolle Beziehung
Im Alten Ägypten wurden Katzen als Gottheiten verehrt. Im Nahen und im Fernen Osten, in der islamischen Welt und in China waren Katzen äußerst beliebt. Bekannt war die große Zuneigung, die Mohammed für Katzen legte, die ja im Unterschied zu den Hunden als reine Tiere galten.

Im Abendland dagegen war das finstere Mittelalter für die Katzen tatsächlich eine finstere Zeit. Sie führten zwar zunächst als zutrauliche Gefährten der Mönche und Eremiten ein friedliches Leben, gerieten aber bald in Verdacht, diese frommen Menschen vom Dienst an Gott abzulenken. In den Krallen der Inquisition waren die Katzen das Haupt­ziel der Anklagen gegen die Häretiker, die vom dogmatisch festgelegten Glauben abgewichen waren. Sogar der christliche Militärorden der Templer wurde verdächtigt, die Katze als Wiedergeburt des Teufels vergöttert zu haben. Die geheimnisvolle, ruhige Art der Samtpfoten, die den Menschen glauben ließ, das Tier habe eine Seele, sorgte vermutlich auch dafür, dass Katzen negative Kräfte angedichtet wurden. Sie galten als Reittiere von Hexen, als Schüler des Teufels, als Dämonen und Unglücksbringer.

Die Verteufelung der Katze erreichte ihren Höhepunkt in den Hexenjagden, die erst im 17. Jahrhundert endeten. Vor allem auf schwarze Tiere hatte man es abgesehen. Ein Rest dieses Aberglaubens ist heute noch erhalten, es soll Unglück bringen, wenn vor einem eine schwarze Katze die Straße kreuzt. Demgegenüber steht die Liebe der Katzenfreunde, die mitunter an den Katzenkult der alten Ägypter erinnert, weil sich bis heute noch die Vorstellung von geheimnisvollen magischen Kräften der Katze erhalten hat.

Heutzutage gibt es auf dieser Welt so viele Katzen wie nie zuvor. Bereits vor Jahrzehnten hat die Katze in vielen Ländern Westeuropas, vor allem in den Großstädten, den Hund als beliebtestes Haustier übertrumpft. Die Katze wird daher von den in engen Wohnungen lebenden Menschen als das Haustier der Zukunft an­gesehen, als das lebende Symbol einer schon fernen ursprünglichen Welt. Ihre Zukunft ist gesichert. Sogar dann, wenn der Mensch sich selbst vernichtet hat, und die Welt nur mehr von Ratten und Mäusen bewohnt sein wird, kann die Katze, die ihre Freiheit und Unabhängigkeit bewahrt hat, überleben.

Wohlfühlfaktor Katze
Für ein Tier verantwortlich zu sein bedeutet auch, von ihm gebraucht zu werden. Das ist für ältere oder alleinstehende Menschen ein schönes Gefühl, Kinder wiederum lernen mit dieser Aufgabe für andere zu sorgen und die Bedürfnisse eines anderen Lebewesens auch einmal vor die eigenen zu stellen. Die Katze ist der ideale Mitbewohner für Senioren. Sie kommt auf leisen Pfoten, lässt sich gerne streicheln und beschmusen und gilt als sehr sauber. Ältere Menschen profitieren von der Gegenwart einer Katze und genießen deren Gesellschaft. Die Samtpfote bindet den Menschen ans Leben, denn sie möchte täglich gefüttert, gestrei­chelt und beschäftigt werden. Dabei wird der Mensch körperlich und geistig gefordert. Singles und Katzen bilden eine ideale Lebensgemeinschaft. Liebe, Aufmerksamkeit, Pflege und Futter, die der Mensch dem Stubentiger gibt, wird täglich tausendfach durch die treue Anwesenheit des kleinen Freundes belohnt.

Miezen als Medizin
Menschen bleiben länger gesund, wenn sie mit einem Tier zusammenleben. Die herzigen Stubentiger helfen – nicht nur bei der Mäusejagd: Sie tragen auch zur Kreislaufstabilisierung bei. Menschen mit Heimtieren leiden außerdem seltener an Schlafstörungen und Kopfschmerzen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die bloße Anwesenheit einer Katze den Blutdruck senkt und die Seele beruhigt. Die wohltuende Wirkung von Katzen auf das Herz können Forscher jetzt bestätigen: Menschen mit einer Katze haben ein um 40% niedrigeres Herzinfarktrisiko als Menschen ohne Katze. Auch Kinder, die mit Haustieren leben, haben ein stärkeres Immunsystem und werden seltener krank. Zu diesem Ergebnis kamen englische Wissenschafter von der University of Warwick in Coventry unter der Leitung von June McNicholas. Im Bereich der Stressbewältigung bieten Katzen ebenfalls positive Unterstützung. Im Zusammenleben mit einer Katze erleben die Menschen abseits von den täglichen Anforderungen Freude und Entspannung. Dadurch wird die Ausschüttung von Endorphinen im menschlichen Gehirn angeregt, die das Schmerzempfinden verringern und Stress abbauen.

Antistressmittel Katze
Katzen sind ein natürliches Antistressmittel, vor allem, wenn sie sich aus Zuneigung auf den Schoß kuscheln, intensiv einfordern gestreichelt zu werden und dabei genussvoll schnurren, meint die Psychotherapeutin Regina Lessenthin. Die psychologischen Ent­spannungsmethoden wie autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation liefern in der Regel für den Menschen keine besseren Ent­spannungsergebnisse.

Forschungen zufolge soll das Schnurren der Katzen auch eine heilende Wirkung haben. Knochen, die man Vibrationen im Frequenzbereich von 20 bis 50 Hertz aussetzt, heilen wesentlich schneller und weisen eine höhere Festigkeit und Stabilität auf. Ebenso wurden Muskelentzündungen und -verspannungen dadurch gemildert. Da sich das Schnurren einer Katze im Frequenzbereich von 27 bis 44 Hertz bewegt, könnte die Katze durch ihr Schnurren also auch für einen Heilungs- und Linderungs­prozess von etwaigen Knochen- und Muskelkrankheiten sorgen.

Zuhörerin Katze
Die Katze ist aber auch eine aufmerksame Zuhörerin. Vertraut man ihr Sorgen und Pro­bleme an, spendet sie Trost und lenkt vom Alltag ab. Außerdem akzeptiert eine Katze „ihren“ Menschen so wie er ist, auch wenn er alt, faltig und vielleicht auch schon etwas langsamer geworden ist. Katzen verfügen über großes Einfühlungsvermögen für „ihren Menschen“. Bei Kummer oder Krankheit begegnen sie ihm mit Zuneigung und vermehrter Aufmerksamkeit. Katzen steigern damit unser emotionales Wohlbefinden und helfen gegen Einsamkeit. Sie danken die Aufmerksamkeit ihnen gegenüber mit Schmuseeinheiten und Wohlfühlmomenten.

Katzen und Kinder
Prof. Reinhold Bergler untersuchte unter anderem die Wirkung von Heimtieren auf Kinder. Jedes dritte Kind wendet sich dem Tier zu wenn es unglücklich ist oder wenn es Streit in der Familie gibt. Ein Haustier ist immer da und hat keine wichtigen Verabredungen. So vermittelt es Sicherheit, Halt und Geborgenheit.

Katzen als Co-Therapeuten
In der Praxis von Regina Lessenthin wird seit mehr als 10 Jahren mit Katzen gearbeitet. Vor allem Patienten, die eine Traumatisierung mit körperlichem Missbrauch und / oder Misshand­lung erlebt haben, haben häufig Schwierigkei­ten mit körperlicher Nähe. Die Katzen gehen auf die Patienten zu, je nach eigenem Naturell eher fordernd oder eher zurückhaltend. Sie bieten diese körperliche Nähe als Erfahrung ohne Hintergedanken an. Und richten nicht über den Patienten. So kann ein vertrauensvoller Umgang miteinander entstehen. Solche Erfahrungen stärken und machen Mut, es auch in anderen Situationen zu versuchen.

Nach einer Untersuchung von Uie-Liang Liou am I.E.T in der Schweiz profitiert ein Erwach­sener von der heilsamen Wirkung der Tiere auch als älterer Mensch, wenn er als Kind mit einem Tier aufwuchs. Erziehungsziele wie zum Beispiel Verantwortungsbewusstsein, Pflicht­bewusstsein, Fürsorglichkeit, Naturverbundenheit, rücksichtsvolles Verhalten, Lebensfreude, Verständnis für andere Menschen und Optimismus werden mit Hilfe eines Heimtieres gefördert. Viele Menschen, die sich anderen Menschen gegenüber nicht öffnen können, schaffen dies problemlos gegenüber einem Tier. Kein Wunder, dass Katzen als liebevolle Gefährten auch bei der Betreuung von depressiven Patienten eine erfolgreiche Rolle spielen.

Eine Katze hört geduldig zu und scheint uns zu verstehen. Ihre Zuneigung ist spürbar. Die beste Medizin für Herz und Kreislauf, Geist und Seele, miaut also und hat ein flauschiges Fell.

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