Stress mich doch!

Aber richtig!Stress mich doch!

Viele fürchten ihn. Die meisten könnten auf ihn verzichten: Stress. Doch Stress ist unser ständiger Begleiter, der uns zwar ganz schön auf die Nerven geht, ohne den wir aber einfach nicht auskommen können. Wie Stress abläuft und sich auswirkt, wissen wir erst seit einem halben Jahrhundert.

Stress und chemische Signale

Unser Leben hat sich zwar geändert, seit wir aufrecht gehen können, die Körperreaktion auf Stress dagegen kaum. Hier gilt noch immer: Gefahr im Verzuge? Kampf oder Flucht, Fight or flight! Das Herz pocht, der Atem geht schneller, der Blutdruck steigt, die Verdauung hat Pause, dafür sind die Muskeln gut durchblutet und voller Spannkraft. Das durch unseren Willen nicht steuerbare vegetative Nervensystem regt die Nebennieren an, Adrenalin und Noradrenalin – Hormone die unseren Antrieb erhöhen – werden ausgestoßen. Aus Kohlehydraten wird ganz schnell Zucker, den Herz und Hirn in Alarmsituationen dringend brauchen. All diese Reaktionen treten übrigens auch bei Wut- oder Angstzuständen und bei intensivem Schmerz auf.

Bei jeder Stressattacke wird eine unaufhaltsame Kettenreaktion in Gang gesetzt, die wie in der Steinzeit voll darauf ausgerichtet ist, in Bewegung umgesetzt zu werden, die wiederum Entlastung bringt.

Oft sitzen wir nur da und warten bis die Stressfolgen wie z.B. Herzklopfen wieder verschwinden. Erst nach und nach bemerken wir, das Herz braucht immer länger, um wieder normal zu schlagen, die mobilisierte Kraft ist nach hinten losgegangen und hat sich dadurch gegen uns selber gerichtet.

Die Natur hat in die chemische Stressreaktion den Rückwärtsgang gleich mit eingebaut. Nur so ist es möglich, Dauerstress auszuhalten und nicht gleich das Leben zu verlieren.

Stress und seine Reaktionen

Den Begriff „Stress“ hat der österreichisch-kanadische Forscher Hans Selye in die Psychologie eingeführt, um die Reaktionen von biologischen Systemen und Menschen auf Belastung zu beschreiben. Selye sagt: „Stress ist das Leben selbst – nur die Dosis, die uns bekommt, ist von Mensch zu Mensch verschieden, weil Konstitution, Reizstärke und Reizumfang auch eine Rolle spielen.“ In der Herztherapie, bei Depressionen und Immunschwäche, durch Fastenkuren, Sport, Licht-, Wärme-, Kälte- oder  Eigenblutbehandlungen werden sogar gezielt Stressreize gesetzt, um gestörtes Gleichgewicht einzupendeln.

Eu-Stress und Dis-Stress

Stress in Maßen, den wir täglich erleben, ist also reines Lebenselixier. Er ist unbedingt notwendig, um alle körperlichen, geistigen und seelischen Funktionen, das wunderbare Zusammenspiel der Zellen aller Organe aufrecht zu erhalten.

Doch nicht jede Form von Stress wirkt sich positiv auf den Körper aus. Man unterscheidet in fördernden Eu-Stress, wenn wir beispielsweise ein schönes Erlebnis haben und krankmachenden Dis-Stress.

Burnout-Syndrom

Dauerhaftes Ignorieren von Stresssymptomen wie z.B. Dauermüdigkeit, Gereiztheit, Antriebsschwäche, körperliche Schmerzen, Konzentrationsschwächen, Schlafstörungen, etc. können zur bekanntesten und auch schwerwiegendste Form von chronischem Stress führen: der Erschöpfungsdepression, besser bekannt als Burnout-Syndrom. Das Burnout-Syndrom resultiert aus einer lange andauernden Stressbelastung und -reaktion.

Der Körper steht unter „Dauerstrom“, der Stress und vor allem die biochemische Reaktion darauf, können nicht mehr verarbeitet werden, der Körper hat somit seine natürliche Fähigkeit zur Regeneration verloren. Da der Körper ununterbrochen damit beschäftigt ist, gegen den Stress anzukämpfen, werden die anderen Funktionen vernachlässigt. Erkrankte befinden sich in einem physischen, psychischen und geistigen Erschöpfungszustand.

Das Burnout-Syndrom hat keine festgeschriebenen Symptome, ist schwer zu diagnostizieren und macht sich als schleichender Prozess meist sehr spät bemerkbar.

Achten Sie auf sich, denn wer außer Sie selbst sollte es tun!

Stressprävention und bewusste Achtsamkeit

Bei der Stressprävention sind besonders nachfolgende drei Punkte wichtig:

  • Stress vermeiden
  • Stress abbauen
  • Bewältigungsstrategien entwickeln (Coping)

1. Stress vermeiden

Man hört oft: „Machen Sie sich keinen Stress!”. Einfacher gesagt als getan. Was ist, wenn man einfach so viel tun muss und die “To-do-Liste“ partout nicht kürzen kann? Entscheidend ist selten das, was man zu tun hat, sondern welche Einstellung Sie dazu haben.

Fragen Sie sich einmal ob

  • Sie sich alles zur Aufgabe machen
  • alles vorbildlich erledigen, 100%-ig
  • sich keine Fehler leisten
  • Arbeiten noch möglichst vor dem genannten Termin fertig stellen
  • Sie zudem Aufgaben anderer übernehmen

Die Antwort lautet Ja?

Genauso intensivieren Sie den Stress!

Hier einige Tipps zur Stressvermeidung:

  • Stressoren (Stressauslöser) bewusst machen
  • Störreize reduzieren z.B. brummende Kaffeemaschine, Pop-Ups für Email
  • Benachrichtigung deaktivieren, etc.
  • Realistische Tagespläne erstellen – nur max. 60% der Tageszeit können fest eingeplant werden
  • Auch bei hohem Arbeitsaufkommen Pausen einlegen z.B. für Atemübungen
  • Pausen effektiv nutzen (Sport, Entspannung)
  • Leistungskurve beachten z.B. für welche Aufgabe brauche ich wie viel Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit?
  • Arbeitstage abschließen und „nicht mit nachhause nehmen“
  • Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit kategorisieren
  • Anspruch herabsetzen (Perfektionismus!!!)
  • (Persönliche) Ziele auflisten (Was will ich? Was ist mir wichtig? Worauf kann/möchte ich nicht verzichten?)
  • Alternativen suchen z.B. vielleicht kann jemand anderer einmal das Kind vom Kindergarten abholen
  • Aufgaben delegieren
  • Sich Energie liefernd und ausgewogen ernähren
  • Nicht beim Essen arbeiten
  • Ressourcen stärken (dazu müssen die persönlichen Ressourcen bekannt sein: Was tut mir gut? Persönlichen Freiraum schaffen, etc.)

2. Stress abbauen

Die Methoden zum Stressabbau sind vielfältig. Ganzheitlich kommen Sie aber nur zu Ruhe, wenn Sie es schaffen, Körper, Geist und Seele in Ausgleich zu bringen, egal welcher Typ Sie auch immer sind!

Hier einige Methoden zum Stressabbau:

Die verschiedenen Entspannungsarten setzen die angestaute Energie frei und lösen die Spannungen in den Muskeln. Körper und Geist kommen zur Ruhe.

Autogenes Training: Das Autogene Training ist eine Meditationsform, bei der der Körper durch selbstsuggestive Gedanken beeinflusst wird. Ziel ist es einzelne Körperregionen oder auch den ganzen Körper zu beruhigen und zu entspannen. Dabei stellt man sich bestimmte Zustände vor, die Ruhe ausstrahlen wie: „Mein Arm ist sehr schwer“ oder „Mein Arm ist müde“.

Yoga: Yoga ist eine Meditationslehre aus Indien, welche religiöse Ursprünge impliziert. Diese Entspannungstechnik beinhaltet Atem- und Körperübungen, wodurch der Körper besser durchblutet und der Kreislauf stabilisiert wird. Das wirkt beruhigend und fördert die Konzentration.

AtemschulungIn der Atemschulung lernt man, auf verschiedene Art und Weise bewusst zu atmen. Der Atem kommt im Stressfall als erste Körperreaktion aus seinem Rhythmus. Durch bewusste Atemübungen, finden Sie aber ganz rasch wieder Ihren Atemrhythmus und kommen so – im wahrsten Sinne des Wortes – wieder „zu sich“.

Sport: Kontinuierliche, moderate körperliche Aktivität leistet einen essentiellen Beitrag zur Erhaltung und Förderung der Gesundheit, Fitness und des Wohlbefindens. Die Fähigkeit sich in Situationen innerer und äußerer Belastung dazu zu überwinden, Sport zu betreiben, führt dazu, dass in anstrengenden Konfrontationen die eigenen Handlungsmöglichkeiten optimistischer eingeschätzt werden. Auch zur Optimierung der Stressresistenz erweist sich die Methode der sportlichen Betätigung als effektiv (vor allem Ausdauersport!). Doch gerade im Dauerstress fällt es oft schwer sich zum Sport zu motivieren. Erschöpfung und Unlust dominieren. Fitnessprogramme sind mit Sicherheit eine geeignete Lösung zur Verminderung des Stresslevels, doch bevor Sie sich schlecht gelaunt in einem Sportkurs quälen, treffen Sie sich lieber mit Freunden mit denen Sie z.B. Tennis oder Fußball spielen gehen oder andere Aktivitäten ausüben, an welchen Sie Spaß und Freude haben.

Ich hoffe, dieser Artikel hilft Ihnen anfallende Stresssituationen besser zu meistern und Ihren persönlichen Handlungsspielraum zu erweitern. Gerne stehe ich Ihnen auch für eine vertiefende Beratung zur Verfügung.

Ich wünsche Ihnen eine möglichst stressarme Zeit und dennoch den Mut auf Stressauslöser bewusst hinzusehen, damit Sie nicht morgen mit den Zähnen knirschen, weil Sie heute den Kopf in den Sand gesteckt haben.

Hier können Sie die komplette Ausgabe anfordern …

Zurück zur Übersicht …

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird niemals veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>