Körperliche Aktivität

Prävention von Demenzerkrankungen

Körperliche AktivitätDer Begriff Demenz bezeichnet eine krankheitsbedingte Hirnleistungsstörung, die zu Beeinträchtigungen der Gedächtnisleistung, des Denkvermögens und der Sprache führt. Die demographische Entwicklung in Österreich ist aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung durch eine zunehmende Alterung der Gesamtbevölkerung gekennzeichnet. In der westlichen Welt leiden etwa 6 bis 8% der Bevölkerung über 65 Jahren unter schweren und mittelschweren Demenzformen.

Untersuchungen zeigen, dass die Häufigkeit der Demenzen mit dem Alter exponentiell zunimmt. Leiden bei den 65- bis 70-jährigen rund 1,4% unter einer Demenz, so sind dies bei den über 90-jährigen mehr als 30%. Für rund zwei Drittel aller Demenzerkrankungen ist die Alzheimer Krankheit verantwortlich.

Die Problematik der Alzheimer-Demenz spiegelt sich unter anderem im Abbau des Hippocampus wieder. Der Hippocampus ist ein Bestandteil des Gehirns, welcher für die Überführung von Gedächtnisinhalten aus dem Kurzeit- in das Langzeitgedächtnis zuständig ist.

Symptome der Demenzerkrankung

Das Hauptsymptom aller Demenzerkrankungen ist die Störung des Gedächtnisses, vor allem des Kurzzeitgedächtnisses. Im Laufe der Erkrankung gehen auch länger zurückliegende Gedächtnisinhalte verloren. Weiters treten andere Störungen der Hirnfunktion, wie beispielsweise Rechenstörungen, Wortfindungsstörungen und Störungen der Raumwahrnehmung auf. Im weit fortgeschrittenen Stadium erkennen Betroffene schließlich nicht einmal ihre engsten Angehörigen wieder. Schlussendlich werden sie völlig apathisch (teilnahmslos), bettlägerig und inkontinent. Demenzerkrankte verlieren den Antrieb zu Essen und vergessen schließlich die Nahrung zu kauen und herunterzuschlucken. Daraufhin magern sie ab und werden anfällig für internistische Erkrankungen, wie beispielsweise eine Lungenentzündung, welche im schlimmsten Fall zum Tode führen kann.

Der tragische Verlauf dieser Erkrankung zeigt auf, dass der Demenzprävention mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Hier stellt körperliches Training ein geeignetes Mittel dar.

Risikofaktoren

Wie bei vielen anderen Erkrankungen spielt auch hier der genetische Faktor eine große Rolle. Eine breit angelegte Studie ergab, dass bei rund 36% aller Alzheimer-Demenzerkrankungen genetische Faktoren an der Entstehung beteiligt sind.

Neben dem genetischen Faktor, gibt es noch weitere Risikofaktoren, welche bei der Entstehung der Demenzerkrankung eine wichtige Rolle spielen:

  • Körperliche Inaktivität
  • Übergewicht
  • Bluthochdruck
  • Rauchen
  • Mangelnde soziale Kontakte

Bei den aufgelisteten Risikofaktoren handelt es sich um Größen, welche sich durch einen individuell gesunden und aktiven Lebensstil positiv beeinflussen lassen. Dies soll bedeuten, dass der genetische Faktor zwar eine große Rolle bei der Entstehung der Krankheit spielt, jede Person aber trotz alledem durch eine gesunde Lebensführung dieser Erkrankung entgegen wirken, beziehungsweise den Beginn dieser Erkrankung beträchtlich verzögern kann.

Körperliche Aktivität und Demenzerkrankungen

Die präventiven Wirkungen körperlicher Aktivität auf verschiedene internistische Erkrankungen (z.B. Verringerung des Herzinfarktrisikos, Reduzierung von Bluthochdruck) sind ausreichend bekannt. Auswirkungen auf neurologische Erkrankungen wie zum Beispiel Demenz sind weniger untersucht, jedoch nicht von geringerem Interesse. Zahlreiche Studien legen nahe, dass körperliches Training bei der Prävention demenzieller Erkrankungen ein geeignetes Therapeutikum darstellt.

Ergebnisse verschiedener wissenschaftlicher Studien:

  • An der medizinischen Universität von Virginia wurden über viele Jahre die Auswirkungen regelmäßig niedrig-intensiver Aktivität, wie Gehen, auf die Entstehung von Demenz untersucht. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass jene Teilnehmer, die weniger als eine viertel Meile am Tag gingen, 1,8mal häufiger an Demenz erkrankten, als jene Teilnehmer, die mehr als zwei Meilen pro Tag zurücklegten.
  • Körperliches Training bewirkt eine langfristig verbesserte Hirndurchblutung. Da bei der Alzheimer-Demenz eine verringerte Hirndurchblutung festgestellt wurde, stellt Training einen wesentlichen Beitrag zur Demenzprävention dar.
  • An knapp 500 Personen zwischen dem 75. und 85. Lebensjahr wurde das Risiko an Demenz zu erkranken untersucht. Die Wissenschafter kamen zu dem Resultat, dass bei Personen mit zunehmender körperlicher Aktivität das Risiko einer Demenzerkrankung signifikant geringer lag. Es konnte also festgestellt werden, dass aerobe, dynamische und koordinative Muskelbeanspruchung die Fähigkeit zur Gehirnplastizität (Fähigkeitdes Gehirns sich bestimmten Bedingungen anzupassen) vergrößert und direkt Einfluss auf die Quantität und Qualität von Neuronen (Nervenzellen) und Synapsen (Kontaktstellen zwischen Nervenzellen bzw. zwischen Nervenzellen und Muskelzellen) nimmt.

Neurotrophe Faktoren

Bei der Entwicklung des Menschen bilden sich aus Stammzellen unterschiedliche Arten von Nervenzellen heraus. Bei neurotrophen (Nerven nährende/fördernde) Faktoren handelt es sich um Eiweiße, welche die Nervenzellen bei ihrem Wachstum und ihrer späteren Aufteilung unterstützen und am Leben erhalten. Einer der bekanntesten Vertreter dieser Eiweiße ist der Brain Derived Neurotrophic Factor (BDNF).

BDNF gehört zu einer Gruppe von endogenen Wachstumsfaktoren (Wachstumsfaktoren, welche im Inneren des Körpers entstehen), von denen bekannt ist, dass sie für das Überleben der Neuronen im Hippocampus mitverantwortlich sind. Weiters bewirkt ein hoher BDNF Spiegel den Erhalt neuronaler Funktionen.

In jüngster Zeit werden vermehrt Befunde publiziert, die eindeutig zeigen, dass motorische Aktivität akut zu einem Anstieg des BDNF Wertes führt. So zeigt auch eine Studie der Abteilung für Neurologie der Universitätsklinik Hamburg, dass moderates Ausdauertraining die BDNF Produktion positiv beeinflusst. Schon wenige Tage nach Laufbelastungen nimmt der BDNF Spiegel speziell im Hippocampus hoch signifikant zu.

Relevanz für die Praxis

Aufgrund dieser Ergebnisse sollte körperliche Aktivität – vor allem Ausdauertraining – als präventives Mittel ersten Ranges angesehen werden. Schließlich ist diese Form des Therapeutikums jederzeit leicht und preiswert durchführbar. Weiters erwies sich körperliche Bewegung als stärkster Stimulus der Nervenzellenneubildung.

Um einen möglichst großen Benefit aus körperlicher Aktivität im Rahmen der Demenzprävention schlagen zu können, sollte regelmäßiges körperliches Training ein Leben lang aufrecht erhalten werden. Zwei Einheiten moderates Ausdauertraining pro Woche sind laut derzeitigen wissenschaftlichen Untersuchungen optimal. Eine ergänzende Krafttrainingseinheit ist zusätzlich von großem gesundheitlichem Nutzen.

Das Ausdauertraining kann beispielsweise in Form von Laufen, Walken, Schwimmen oder Radfahren stattfinden. Es sollte im Grundlagenausdauerbereich, also mit einer moderaten Intensität über circa 45 Minuten durchgeführt werden. Da jede Person eine individuelle Herzfrequenz besitzt, ist eine genau Bestimmung der Trainingsbereiche nur mittels einer professionellen Leistungsdiagnostik möglich.

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