Winterspeck

Nicht das Fett macht uns fett

WinterspeckLangsam nähert sich die kalte Jahreszeit. Die Tage werden kürzer und somit die Abende länger. Wir bewegen uns nicht mehr soviel an der frischen Luft. Für viele bedeutet dies automatisch mehr Kilos auf den Hüften. Aber muss das wirklich sein? Nein! Jedes Jahr höre ich das Gleiche: „Die ganzen fet­tigen Sachen sind verantwortlich dafür“. Liebe Leser, das ist nicht so. Nicht das Fett macht uns fett.

Sind wir doch mal ehrlich. Wie mästet man denn Schweine? Einsperren und Kartoffeln geben. Tja, das funktioniert auch bei uns. Wir alle sind süchtig nach Zucker. Warum ist das so? Das liegt an unseren alten Primatengenen. Diese Menschenaffen hatten eine Vorliebe für süße Sachen. Sie ernährten sich hauptsächlich von pflanzlichen Nahrungsquellen – abgese­hen von den Insekten und einer seltenen Jagd aus sozialen Gründen. Sie haben die Süße mit Reife, Bekömmlichkeit und dem Nährstoff­gehalt verbunden.

Aber wir haben unseren komplizierten Verdauungstrakt für Pflanzenkost im Laufe unserer Entwicklung ablegen müssen, denn dieser brauchte zuviel Energie, die uns dann für unsere Gehirnentwicklung fehlte. Denn pflanzliche Nahrung enthält viele grobe, unverdauliche Faser- und pflanzliche Abwehrstoffe und ist somit nicht leicht bekömmlich. Ein einfacher Darm erfordert jedoch Nahrung mit hoher Qualität. Die Menschheit sattelte während ihrer Entwicklungsgeschichte praktisch auf vorwiegend Eiweiß, Fett und weniger Kohlenhydrate um. Unser Körper kommt mit der Verwertung dieser Nährstoffe bestens klar. Nur die Kohlenhydrate (KH) in hoher Menge – wie heute üblich – belasten unseren Körper. Denken wir dabei nur einmal an Diabetes mellitus II, Herzinfarkt, Adipositas und Krebs – die meist verbreiteten Krankheiten in unserer Gesellschaft.

Hilfe ist angesagt
Warum das alles nicht einmal aus anato­mischer und physiologischer Sicht und unter Berücksichtigung von echten wissenschaft­lichen Erkenntnissen betrachten? Keine Angst, so kompliziert ist es nicht.

Fragen wir uns als Erstes, wozu wir eigentlich das Fett brauchen
Wir benötigen Fett als Energieträger, Lösungs­stoff für Vitamine, zur Wärmeisolation, als Schutzfunktion, Bau- und Füllstoff und es ist verantwortlich für viele Funktionen in der Zelle und dessen Aufbau. Fett ist lebenswichtig, schmeckt dazu noch gut und macht lang anhaltend satt.

Fragen wir uns als Zweites, wozu der Körper eigentlich Eiweiß (Protein) braucht
Proteine sind Strukturbaustoffe (Knochen- und Muskelzellen), Bestandteil von Transportstoffen (z.B. Hämoglobin), Hormonen, Immunabwehrkörpern und Enzymen. Stellen Sie sich Ihren Körper vor, wie viel davon steckt in ihm? Sollte man Eiweiß wirklich reduzieren? Fakt ist, mehr als 40 % können wir nicht verarbeiten und überlasten unseren Säure-Basen-Haus­halt. Also bitte mit Fett kombinieren.

Und zuletzt – warum eigentlich Kohlenhydrate
Kohlenhydrate sind schnellverfügbare Brenn­stoffe für Hirn und Muskel, also wichtig bei schwerer körperlicher Arbeit und anstrengendem Sport. Das Gehirn ist der Hauptverwerter der Kohlenhydrate. Ihr Anteil unserer Gesamtenergieaufnahme sollte daher 25 % nicht unterschreiten. Ist der Anteil jedoch wesent­lich höher, kann unser Körper nichts mit dem Überschuss anfangen und unser Stoffwechselsystem – speziell die Bauchspeicheldrüse – wird unnötig belastet. Kohlenhydrate können gespeichert werden. Aber Vorsicht: Der Platz ist begrenzt, der Rest wird zu Fett.

Wir essen zuviel Zucker und zu wenig Eiweiß
Fragen Sie sich nicht auch, ob Fett denn nun wirklich so schlecht ist? Nur wenn es von schlechter Qualität ist, sowie es bei den meisten industriell hergestellten Ölen vorkommt. Man verpönt die tierischen Fette, wegen der gesättigten Fettsäuren und macht industriell die in den Pflanzenölen ungesättigten zu gesättigten Fetten, mit zusätzlich noch gefährlichen Transfetten.

Essen Sie was Ihnen schmeckt

  • Vergessen Sie bitte schnell, dass tierische Fette die bösen Fette sind. Ich kenne nur ein böses Fett und das heißt Transfett (für uns nicht verwertbare, den Stoffwechsel behindernde und höchstwahrscheinlich schädigende Fettsäuren, die bei der industriellen Fetthärtung und Erhitzung entstehen). Es wird höchste Zeit, dass diese auch in unserem Land auf den Etiketten ausgeschildert und Mindestgrenzen gesetzt werden, wie es in Dänemark der Fall ist.
  • Vergessen Sie fettarme Produkte, denn diese haben meist mehr Kalorien durch Zuckerszusatz. Fett ist unser
    Geschmacksträger und ohne den es nicht schmeckt. Was passiert? Es wird Zucker zugefügt. Man belügt den Körper und verspricht einen anderen Energiegehalt, als tatsächlich vorhanden.
  • Beschäftigen Sie sich mit dem Begriff Glykämische Last und welche Nahrungsmittel Ihre Bauchspeicheldrüse und den Stoffwechsel überlasten. Kurz gesagt sind das Kartoffeln, Nudeln, Reis und Brot. Essen Sie an deren Stelle viel Gemüse und Salat, reduzieren Sie Brot und steigen Sie auf Vollkornprodukte um. Natürlich sind das auch Kohlenhydrate, sie erhöhen jedoch den Blutzuckerspiegel nicht so radikal und somit auch die Insulinausschüttung.
  • Verschieben Sie die Kohlenhydrate-Eiweiß-Bilanz zugunsten des Eiweißes. Essen Sie nicht den ganzen Tag Kohlenhydrate, sondern nur am Morgen. Wussten Sie, dass ein erhöhter Insulinspiegel, wie es nach Zuckereinnahme passiert, die Fettverbrennung unterdrückt und die Fettspeicherung fördert? Essen Sie regelmäßig Fleisch und Fisch. Das schmeckt und macht satt. Das ist generell Voraussetzung für eine gesunde Ernährung.
  • Stellen Sie auf Fett mit hoher Qualität um. Das heißt, braten Sie mit Schweineschmalz, Butterschmalz und nicht mit Sonnenblumenöl. Essen Sie z.B. natives Olivenöl, Wallnussöl zum Salat.
  • Verschieben Sie die Omega-6 / Omega-3 Bilanz. Bevorzugen Sie Fische wie Makrelen, Hering und Lachs. Diese enthalten die wichtigen Omega-3-Fettsäuren. Nehmen wir zu viele Omega-6-Fettsäuren (z.B. Sonnenblumenöl) auf, ist praktisch kein Platz mehr für den kleinen Anteil an Omega-3.
  • Trinken Sie ausreichend Wasser.
  • Bewegen Sie sich trotz Kälte und Nässe täglich mindestens 20 Minuten an der frischen Luft.
  • Das Wichtigste: Essen Sie nicht mehr, als Ihr Körper braucht.

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